(Natsume, 1996)  

Die Story von Wild Guns ist genauso dünn, wie man es bei einem Aracde-Shooter erwartet. Es wird also in altbekannten Klischee-Gewässern gefischt, was das Zeug hält. Der Kopfgeldjäger Clint soll Annie helfen, ihre dahin gemeuchelte Familie zu rächen. Dass Annie hierbei fleißig mitmischt, ist Ehrensache. Kollateralschäden werden bei diesem Rachefeldzug geflissentlich in Kauf genommen. Das war’s dann aber auch schon. Für eine zünftige Ballerei aber auch genug an Rahmenhandlung. Man kann sich vielleicht schon denken, dass der Name Clint eine Anspielung auf den Western-Star Clint Eastwood ist. Annie könnte man noch am ehesten mit Annie Oakley in Verbindung bringen, die als Kunstschützin in der legendären Wild-West-Show von Buffalo Bill bekannt wurde. Interessant ist auch, dass die Entwickler eine gehörige Prise Science Fiction in das Western-Setting gestreut haben. Wundert euch also nicht, wenn ihr im Verlauf des Spiels auf Roboter und fliegende Drohnen trefft. 

Der Rachefeldzug beginnt 

Im Solo-Modus könnt die Baller-Action wahlweise mit Annie oder Clint bestreiten, was spielerisch allerdings keinen Unterschied macht. Spielt ihr Wild Guns im Ko-Op-Modus, dürft ihr jeweils auch den gleichen Charakter auswählen.  Zur besseren Orientierung solltet ihr dann aber eines der andersfarbigen Outfits wählen. In insgesamt sechs Stages, die jeweils in zwei Abschnitte aufgeteilt sind, begegnet euch so allerhand Cyborg- und -Menschengesindel, die vom Bildschirm gefegt werden müssen. Habt ihr genügend Gegner platt gemacht, schwirren (ganz im Stil von Ninja Gaiden) diverse Waffenupgrades über den Screen, nach deren Aufsammeln ihr eure Knarre in Flammenwerfer, Maschinengewehre verwandelt. Mit den aufgemotzten Wummen lässt sich natürlich noch mehr Schaden anrichten. Doch Vorsicht: Die Waffenupgrades stehen euch nicht unbegrenzt zur Verfügung. Habt ihr die begrenzte Munition erst mal verballert, kehrt ihr zu eurer Standardwaffe zurück. Ab und an erscheint dann ein Timer, der euch anzeigt, wann ihr auf den nächsten (Zwischen-)Boss trefft. Die mechanischen Obermotze vertragen naturgemäß etwas mehr Blei, als die übliche Gegnerschar.

 

 

Moorhuhn lässt grüßen 

Eure Bewegungsmöglichkeiten sind im gesamten Spiel sehr eingeschränkt. Ihr steuert ein Fadenkreuz und manövriert damit euren Charakter von links nach rechts über den Bildschirm (fast wie beim berühmten Moorhuhn). Viele Bösewichte agieren feige aus dem Hintergrund heraus und verstecken sich gerne in Gebäuden oder gehen hinter Felsen in Deckung. Ihr müsst auch im wildesten Kugelhagel darauf achten, nicht von den feindlichen Projektilen getroffen zu werden, denn bereits ein Treffer genügt, um euch ins Jenseits zu befördern. Hin und wieder werfen eure Feinde Dynamitstangen nach euch, denen ihr entweder ausweichen oder sie zurückschleudern könnt. Manchmal laufen vereinzelte Bösewichte auch direkt auf euch zu, um euch abzustechen – hier hilft dann nur ein sauberer Schlag auf die Rübe mit eurem Gewehrkolben. Zu eurem Repertoire gehören aber nicht Schusswaffen, sondern auch ein Lasso, mit dem ihr eure Feinde einfrieren könnt, um sie für ein paar Sekunden außer Gefecht zu setzen. Das ist vor allem bei den Bossen äußerst hilfreich und sorgt für kleine Erholungspausen, wenn es mal allzu chaotisch auf dem Bildschirm zugeht. Außerdem stehen euch pro Bildschirmleben drei Bomben zur Verfügung, nach deren Zündung ihr alles vom Bildschirm fegt, was euch in irgendeiner Art Probleme bereitet – leider mit Ausnahme der Bosse. Ihr solltet naturgemäß sparsam mit eurem Sprengstoff umgehen, weil es einiges an Score-Punkten braucht, bis ihr eine weitere Bombe spendiert bekommt. Ein zusätzlicher Bonus ist die kurzfristige Unverwundbarkeit, die ihr erreicht, sobald ihr lange genug ohne Treffer überlebt. Wann diese Phase eintritt, wird euch in Form eines grünen Balkens angezeigt, der sich langsam füllt. Die Reihenfolge, in der ihr die einzelnen Stages angeht, ist frei wählbar, wobei selbstverständlich alle Spielabschnitte absolviert werden müssen, um in das finale Level zu gelangen.   

Jetzt gibt´s was auf die Augen und Ohren 

Wild Guns punktet mit sehr viel Liebe zum Detail. Die Hintergründe sind schön anzusehen, egal, ob ihr euch durch einen Saloon, eine Wüste oder eine verlassene Miene ballert. In einem Abschnitt befindet ihr euch sogar auf einem fahrenden Zug und ihr müsst herangaloppierende Bösewichte von ihren Pferden schießen. Eure Kugeln hinterlassen sogar Einschussspuren, was besonders im ersten Level ins Auge fällt. Auch Fensterscheiben zerdeppern realistisch. Dank des zeitlosen Comic-Stils wirkt das Spiel aber keinesfalls düster. Akustisch kann das Game mit der hübschen Aufmachung leider nicht ganz mithalten. Die Musik unterstreicht das Geschehen auf dem Bildschirm zwar passend, hier hätte man aber ruhig noch eine Schippe drauf legen können. Immerhin hat jedes Stage seinen eigenen, poppigen Score.

Frust oder Lust 

Das A und O eines actionlastigen Games wie Wild Guns ist natürlich die Steuerung. Hier müsst ihr euch glücklicherweise keine Sorgen machen. Ihr habt jederzeit die volle Kontrolle über euren Helden. Lediglich der Umgang mit dem Lasso bedarf etwas Übung. Aber nach ein paar Versuchen sollte euch auch das in Fleisch und Blut übergegangen sein. Zu beachten ist allerding, dass ihr nicht gleichzeitig schießen und ausweichen könnt. 

Den Schwierigkeitsgrad könnt ihr im Optionsmenu frei auswählen, wobei bei „Hard“ selbstverständlich noch etwas mehr auf dem Bildschirm los ist, als ohnehin schon. Je nachdem, wie geübt ihr mit Lightgun- bzw. Fadenkreuz-Shootern seid, werdet ihr euch mit Wild Guns leichter oder schwerer tun. Generell kann man aber festhalten, dass ihr schon ein gewisses Maß an Reaktionsschnelligkeit benötigt, um ins Spiel zu finden. Vor allem die Bosse greifen euch immer nach einem bestimmten Muster an, das ihr euch erst mal einprägen müsst, um schnell genug auf die Attacken reagieren zu können. Ihr werdet aber nicht unendlich viele Versuche benötigen, um die Angriffsmuster der Obermotze vorherzusehen. Zusammen mit einem Mitspieler vereinfacht sich der Schwierigkeitsgrad natürlich deutlich, weshalb ihr mit ein bisschen Übung selbst auf „Hard“ keine allzu großen Probleme haben werdet, den Abspann zu sehen.  

Fazit: Wild Guns gehört zu den Games, die mich durch meine Kindheit begleitet haben. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie viel Spaß es damals gemacht hat, mich zusammen mit meinem damaligen Kumpel durch die Gegnerhorden zu ballern. Dieser Spielspaß kommt bei mir auch nach all den Jahren noch auf. Mit Sicherheit hätten dem Spiel ein paar Stages mehr sehr gut getan, denn das Vergnügen währte selbst bei uns Kindern damals nicht besonders lange (maximal eine Stunde). Der Soundtrack ist solide und der moderate Schwierigkeitsgrad geht voll  in Ordnung. Wobei es auf der höchsten Schwierigkeitsstufe meiner Ansicht nach gerne noch etwas härter zugehen dürfte. Zieht man alle Kritikpunkte ab, handelt es sich bei Wild Guns um einen kurzweiligen Shooter, der vor allem zusammen mit Freunden immer für ein paar Runden zwischendurch gut ist. Wer kein SNES sein Eigen nennt, kann sich das Spiel auch bedenkenlos als Download auf der Virtual Console holen (für Wii und Wii U). Für die PS4 erschien mit Wild Guns Reloaded sogar eine dezent aufgebohrte Variante, die ebenfalls als Download, aber auch als Retail-Version verfügbar ist. Ob ihr dann dafür auch den Vollpreis von ca. 60 Euro hinblättern möchtet, müsst ihr selbst entscheiden.

 

 

 

 

 

 

 

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