(Double Fine Productions, 2013)  

Um eines gleich vorweg zu nehmen - Bei The Cave erwartet euch, und das dürfte besonders alle Retro-Fans freuen, ein klassisch anmutendes 2D-Adventure, mit Jump-and-Run-Einlagen. Zu Spielbeginn stehen euch sieben verschiede, auf den ersten Blick sehr unterschiedliche, Charaktere zur Auswahl (Maniac Mansion lässt grüßen). Darunter befinden sich so illustre Gestalten wie ein widerstandsfähiger Ritter, eine technikbegabte Wissenschaftlerin, oder ein Hillbilly, mit einer Vorliebe fürs Apnötauchen. Welche besonderen Talente noch in den Charakteren schlummern, stellt sich allerdings erst im weiteren Verlauf des Spiels heraus. Die erste Entscheidung in The Cave besteht also darin, ein Dreier-Team, aus möglichst vielseitig einsetzbaren Helden zusammenzustellen. Eines solltet ihr dabei aber bedenken: Hab Ihr euch erst einmal für drei Charaktere entschieden, so müsst Ihr das Spiel auch mit diesem zusammengewürfelten Haufen durchspielen. Je nachdem, wie eure Wahl ausfällt, warten dann verschiedene Rätsel in der namensgebenden Höhle auf euch und das Spiel nimmt einen unterschiedlichen Verlauf. Wer also das komplette Spiel und alle Rätsel zu Gesicht bekommen will, muss The Cave mehrmals durchspielen. Das steigert den Wiederspielwert natürlich beträchtlich.

Nachdem ihr von der Höhle auf charmante, aber auch geheimnisvolle Weise begrüßt werdet (ja die Höhle kann sprechen!), nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Ab und an stoßt ihr bei eurer Reise auf leuchtende Symbole an den Wänden. Lasst ihr diese Höhlenmalereien von dem dazugehörigen Charakter untersuchen, erlebt dieser prompt  Flashbacks, in Form von witzigen Standbildern. Diese aneinander gereihten Sequenzen geben euch nach und nach einen kleinen Einblick in die Hintergrundgeschichte, der jeweiligen Spielfigur. Wer jetzt allerdings eine durchgehende Story, oder gar einen roten Faden erwartet, der sich durch die gesamte Geschichte zieht, wird enttäuscht. Der Spielverlauf bei The Cave ist sehr linear gehalten und es geht weniger darum, eine spannende Geschichte zu erleben. Vielmehr stehen die Rätsel im Mittelpunkt.  

 

 

Die Hauptaufgabe bei The Cave besteht vor allem darin, knifflige Rätsel im Team zu lösen und Hindernisse zu überwinden. Jedem, der in der Vergangenheit schon mal eine Runde Lost Vikings gespielt hat (u.a. erschienen für SNES und Mega Drive), dürfte dieses Spielprinzip nicht ganz unbekannt vorkommen. Einige Puzzles lassen sich relativ schnell lösen, vor allem wenn man schon ein wenig Erfahrung mit Point-and-Click-Adventures gesammelt hat. Allerdings wäre Ron Gilbert nicht Ron Gilbert, wenn er nicht auch ein paar echte Kopfnüsse eingebaut hätte. Oft werdet ihr deshalb zu Beginn eines Spielabschnitts auf dem Schlauch stehen und erst nach einigem Herumtüfteln, auf die richtige Lösung kommen und sei es nur deshalb, weil ihr mal wieder einen abgelegenen Raum übersehen habt, in dem sich noch ein wichtiges Utensil verbirgt. Auf versteckte Lösungshilfen, oder gar Tipps, hofft ihr bei The Cave vergebens. In dieser Hinsicht ist das Spiel sehr traditionell. 

Beim Thema Inventar kommen wir auch zum wichtigsten Unterschied, zu den meisten, herkömmlichen Adventure-Spielen. Euch steht nämlich kein riesiger Fundus zur Verfügung, in dem ihr nützlichen Gegenstände luxuriös ablegen könnt. Vielmehr kann jede Spielfigur nur ein Utensil mit sich führen. Der Schlüssel zum Erfolg besteht letztendlich darin, die unterschiedlich begabten Charaktere und ihre Inventar-Gegenstände, auf die richtige Weise einzusetzen. Hier ist oft auch richtiges Timing gefragt, wenn beispielsweise Figur A einen Schalter umlegt und sich Figur B kurz darauf durch einen öffnenden Spalt quetscht. Das Wechseln zwischen den drei Protagonisten passiert dabei auf Knopfdruck (auf der Xbox 360 über das Digi-Kreuz) und beeinträchtigt den Spielverlauf in keins der Weise. Das Hüpfen und Hangeln, zu den diversen Einsatzorten, stellt dabei eine Abwechslung, zum ansonsten sehr knobellastigen Spielgeschehen dar. Grobmotoriker dürfen also aufatmen, denn millimetergenaue Sprungeinlagen, wie bei Mario und Co, sind bei The Cave nicht gefragt.   

Ron Gilbert typisch darf der Humor im Spiel natürlich nicht zu kurz kommen. Wenn ihr nicht wisst, was ich damit meine, begeht im Spiel doch einfach ein paar Mal nacheinander Selbstmord, indem ihr beispielsweise mit eurem Charakter in einen Abgrund springt und wartet dann auf die süffisanten Kommentare des Erzählers, der euer absurdes Handeln ungläubig kommentiert. Der Tod eines der Team-Mitglieder führt keineswegs zum vorzeitigen Ende des Spiels. Solltet ihr einmal das Zeitliche segnen, gehts einfach ein paar Meter vor dem Ort eures Ablebens weiter. Ausprobieren ist also ausdrücklich erlaubt. Ein schönes Beispiel für den Gilbert-Humor erlebt ihr schon beim ersten Verschlag, der euch den Weg zur Höhle versperrt. Auf diesem prangt ein großes Schild mit der Aufschrift „Lächerliche Barriere“. Trotzdem dürft Ihr hier aber kein neues Monkey Island erwarten. Das Spiel hat einen durchaus düsteren Grundton, der durch die gut dosierten Gags immer wieder aufgelockert wird  (was habt ihr bei einem Spiel erwartet, das in einer geheimnisvollen Höhle spielt?).

Wir haben das Spiel hauptsächlich auf einem Windows PC, mit einem USB-Controller gespielt. Die Optik ist gerade bei einer Auflösung von 2560x1440 Bildpunkten (maximale Detailstufe) wirklich sehr ansehnlich, zumindest wenn man auf den etwas minimalistischen Comic-Look von The Cave steht. Das Spiel läuft durchgehend flüssig. Auf etwas älteren Rechnern könnte es allerdings, ebenso wie teilweise auf der Xbox360, zu gelegentlichen Framerate-Einbrüchen und kurzen Rucklern kommen. Die stimmungsvolle Sounduntermalung hält sich angenehm zurück und geht auch nach mehreren Spielstunden nicht auf den Geist. Bis auf die seltenen Kommentare, der geheimnisvollen Höhle, in den Schlüsselszenen des Spiels, wurde größtenteils auf Sprachausgabe verzichtet. Von euren Spielfiguren werdet ihr deshalb nur ein gelegentliches Ächzen oder Stöhnen hören, wenn ihr sie wieder mal über einen strapazenreichen Spielabschnitt scheucht.

Fazit: Altmeister Ron Gilbert hat es immer noch drauf. The Cave ist ein wirklich stimmungsvolles Knobel-Abenteuer. Die Rätsel sind zwar knackig, aber nicht unlogisch und so dürfen sich auch jüngere Semester ohne Bedenken an der Lösung des Spiels versuchen, ohne dabei Gefahr zu laufen, den Controller irgendwann frustriert in die Ecke zu schleudern. Ein Spiel für die ganze Familie, könnte man also sagen und mit knapp 15 Euro (PC), auch noch relativ günstig, für einige Stunden Rätselspaß. Zwar fallen die Hüpfeinlagen, gerade in den größeren Spielabschnitten, manchmal etwas eintönig aus, aber das mindert den Spielspaß meiner Meinung nach nur unwesentlich. Bedauerlicherweise gibts The Cave bisher nur als Download. Ich hätte mir zusätzlich eine Special Edition, mitsamt klassischer Verpackung und Anleitung gewünscht. Vielleicht hat Sega ja noch ein Einsehen und schiebt in Kürze eine Boxed-Version nach.

Das Testmuster zu The Cave wurde Retro Videogames freundlicherweise von Sega zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf die Bewertung des Spiels durch den Sponsor wurde nicht vorgenommen und jegliche Kommentare spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider.