(Nintendo, 1989)  

1989 war ein großartiges Jahr für deutsche Tennis-Fans. Mit Steffi Graf und Boris Becker gewannen erstmals gleich zwei teutonische Spieler das altehrwürdige Tennis-Tunier in Wimbledon und der weiße Sport genoss hierzulande eine Popularität, wie nie zuvor. Kinder und Jugendliche im ganzen Land wünschten sich von ihren Eltern Tennisschläger, und wirklich jeder erdenkliche Ort wurde dazu genutzt, um sich den gelben Filzball um die Ohren zu pfeffern. Ich stahl mich zu dieser Zeit mit meinem Kumpel regelmäßig auf einen abgeschlossenen Schulsportplatz, um meinen Idolen auch mal auf einem richtigen Tennis Court nachzueifern (mit mäßigem Erfolg). Da traf es sich gut, dass sich Nintendo just in diesem denkwürdigen Jahr dazu entschloss, eine Tennis-Simulation für sein nagelneues Handheld, den Game Boy, auf den Markt zu bringen.  

Tennis in 8-Bit

Genaugenommen handelt es sich bei Tennis für den Game Boy um eine Umsetzung des kurz zuvor erschienenen, gleichnamigen Spiel, für Nintendos Heimkonsole NES. Die Grafik wurde natürlich ein wenig reduziert und die Farben mussten aufgrund des monochromen Displays des Game Boys weichen, aber das Flair dieser Tennis-Simulation wurde wunderbar eingefangen. Dank der knuffigen Darstellung der Spielfiguren und deren putzigen Animationen gewinnt das Spiel sogar noch einiges an Charme hinzu. Witzig ist auch, dass Nintendos Vorzeige-Klempner Mario einen witzigen Cameo-Auftritt als Schiedsrichter spendiert bekommen hat.

Ganz großes Tennis?

Die Präsentation des Titels passt also schon mal, aber wie sieht es mit den verschiedenen Spiel-Modi aus? Da kommen wir leider zum Schwachpunkt des Spiels. Denn bis auf einen Zweispieler-Modus (via Link-Kabel) und vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, werdet ihr keine weiteren Varianten vorfinden. Man darf aber nicht vergessen, dass Tennis für den Game Boy bereits vor über zwanzig Jahren erschien und die heutige Vielfalt an verschiedenen Modi damals einfach noch nicht an der Tagesordnung war.

Viel wichtiger ist jedoch, ob die Spielbarkeit gelungen ist und hier kann der Titel auf der ganzen Linie überzeugen. Was Nintendo mit einem Steuerkreuz und zwei Action-Buttons an spielerischen Finessen erzeugt, ist schon bewundernswert. Vom brachialen Schmetterball, bis hin zum gefühlvollen Lob, nichts ist unmöglich. Natürlich immer das richtige Timing und Fingerspitzengefühl vorausgesetzt. Nur den berühmten Beckerhecht enthält man uns vor. Mit ein bisschen Übung könnt ihr Bälle dafür so anschneiden, dass es euer Gegner schwer haben wird, die richtige Flugbahn vorherzuahnen. Ihr müsst allerdings darauf achten, immer wieder eine zentrale Position im Spielfeld einzunehmen, um den Return des Computer-Gegners zu erwischen. Automatische Laufhilfen, wie bei aktuellen Tennis-Simulationen, werdet ihr hier vergeblich suchen. Ein gutes Stellungsspiel ist also der Schlüssel zum Sieg.

Gespielt wird auf zwei Siegsätze und bereits im einfachsten Schwierigkeitsgrad erfordert es schon eine gewisse Einspielzeit, um gegen den Computer zu bestehen. Allerdings hat die KI der Gegner auch ihre Grenzen. Habt ihr deren Schwachstellen erst einmal gefunden, fällt euch das Spielen wesentlich leichter, ohne dabei aber langweilig zu werden. Bei jedem gewonnen Spiel steigern sich nämlich auch die Fähigkeiten eurer Gegner und die Spielgeschwindigkeit zieht merklich an. Zusammen mit den verschiedenen Schwierigkeitsgraden bietet das Spiel somit einen enormen Wiederspielwert und das Modul wandert garantiert immer wieder für eine eine kurze Runde zwischendurch in den Modulschacht eures Game Boys.

Musikalisch wird lediglich eine Melodie geboten, die mir glücklicherweise auch nach längeren Spiele-Sessions nicht auf den Geist ging. Wer die düdelige Musik aber partout nicht ausstehen kann, hat zu Beginn des Spiels die Möglichkeit, die musikalische Untermahlung zu deaktivieren. Die restlichen Soundeffekte sind Game-Boy-typisch und geben keinerlei Anlass zur Kritik.

Fazit: Neben Tetris hat mich damals kein weiterer Start-Titel für den Game Boy so sehr fasziniert, wie diese, auf den ersten Blick doch sehr simpel anmutende Tennis-Simulation. Der comichafte Look passt perfekt zu dem flotten Spiel und der durchaus fordernde Schwierigkeitsgrad motiviert langfristig. Vor allem aber die annähernd perfekte Spielbarkeit fasziniert mich heute noch an diesem Game. Wo aktuelle Tennis-Simulationen sechs und mehr Action-Buttons benötigen, kam dieses Spiel gerade mal mit zwei Tasten und dem Steuerkreuz aus. Was mich nur immer wieder zur Weißglut bringt, sind die teilweise fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen von Mario. Klar im Aus befindliche Bälle werden Gut gegeben und andersrum. Entweder war das ein Tribut an den Realismusgrad des Spiels oder aber eine ungenaue Kollisionsabfrage. Aber egal, Tennis für den Game Boy ist ein zeitloser Klassiker für unterwegs. Bei Ebay und Co ist dieser Titel wirklich günstig zu bekommen und für die "retro-gerechte" Überbrückung einer langen Zugfahrt oder eines Flugs ist dieser Titel perfekt geeignet.

Das Testmuster zu Tennis wurde Retro Videogames freundlicherweise von www.Konsolenkost.de zur Verfügung gestellt.

Eine Einflussnahme auf die Bewertung des Spiels durch den Sponsor wurde nicht vorgenommen und jegliche Kommentare spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider.

 

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