(Sega, 1992)  

Alle Videospielveteranen unter euch dürften funkelnde Augen bekommen, wenn sie den folgenden Namen hören: Ryu Hayabusa, seines Zeichens charismatischer Held der Ninja-Gaiden-Reihe. Keiner zieht das Katana so schnell, klettert an steilen Abhängen so geschickt hoch und lehrt Gegnern mit aufgesammelten Power-Ups so das fürchten, wie er. Für alle, bei denen es immer noch nicht klingelt (sowas soll´s tatsächlich geben), gibt’s jetzt eine kleine Geschichtsstunde - Zunächst erschien Ninja Gaiden 1988 exklusiv in der Spielhalle. In PAL-Gefilden (Europa und Australien) entschied sich der japanische Entwickler Tecmo allerdings dazu, den Titel des Spiels in „Shadow Warriors“ abzuändern. Der wirkliche Durchbruch, und damit der finanzielle Erfolg, sollte aber erst mit der Heimumsetzung für das NES gelingen (ebenfalls 1988). Zwei nicht minder beliebte Fortsetzungen folgten kurz darauf. 1992 schaffte Ninja Gaiden dann schließlich auch den Sprung auf das Sega Master System.

Ryu gegen den Rest der Welt

Die Story des Spiels ist weniger plump, als man vielleicht annehmen könnte und wird zwischen den einzelnen Kapiteln in hübschen Standbildern erzählt. Wie bereits erwähnt, schlüpft Ihr in die Rolle von Ryu Hayabusa, der wiederum Mitglied des ehrenwerten Dragon Clans ist. Aufgrund einer Nachricht eilt der Ninja in seine Heimatstadt zurück und findet diese völlig verwüstet vor. In seinen letzten Atemzügen erzählt ihm ein sterbender Dorfbewohner, dass die geheimnisvolle Bushido-Schriftrolle, die seinem Besitzer unglaubliche Macht verleihen soll, gestohlen wurde. Was jetzt folgt, dürfte wohl klar sein - Ryu macht sich natürlich umgehend auf den Weg, die Bushido-Schriftrolle wieder an ihren rechtmäßigen Platz zurück zu bringen und die gemeuchelten Einwohner zu rächen.

 

 

 

 

Das Böse ist immer und überall 

Ninja Gaiden ist ein traditioneller "Sidescroller" in Hack-and-Slay-Manier. Das heißt, ihr kämpft euch von links nach rechts (gelegentlich auch von rechts nach links oder von unten nach oben) durch die Levels. An schwer erreichbaren Stellen sind immer wieder Spezial-Attacken versteckt, die es einzusammeln gilt. Diese können mit dem Steuerkreuz und der Angriffstaste aktiviert werden. Natürlich stehen euch diese zusätzlichen Kräfte aber nur begrenzt zur Verfügung. Die Feature erleichtert euch das Abenteuer ein klein wenig, was auch dringend von Nöten ist. Denn falls ihr es nicht wisst, Ninja Gaiden besticht – ganz in der Tradition der Serie – durch einen gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. So kehren besiegte Gegner natürlich nur wenige Sekunden nach ihrem Ableben zurück. Ausruhen könnt ihr euch also zu keinem Moment.

Schnell wie der Wind

Wie für diese Reihe üblich, steuert sich auch diese Version von Ninja Gaiden sehr präzise. Ihr habt jederzeit die volle Kontrolle über den Protagonisten. An eins müsst ihr euch allerdings gewöhnen - Bei Feindkontakt werdet ihr ein paar Millimeter nach hinten geschleudert (Castlevania lässt grüssen), was euch sicherlich einige Leben kosten wird. Anders als in der NES-Version könnt ihr euch nun aber auch an steilen Wänden hoch hangeln und seid somit wesentlich mobiler.

Nichts für schwache Nerven

Wie lang euer Abenteuer insgesamt dauert, hängt ganz von euren Skills ab. Dank des knackigen Schwierigkeitsgrads, den fulminanten Bossfights am Ende jedes Spielabschnitts und je nach Geschick und Durchhaltevermögen variiert die Spielzeit stark. Glücklicherweise stehen euch unbegrenzte Continues zur Verfügung, von denen ihr garantiert zahlreich Gebrauch machen werdet. Ninja Gaiden zählt nicht umsonst zu den schwierigsten Games aller Zeiten (ganz egal, welchen Teil man in welches System steckt). Auch dieser Ableger bildet da keine Ausnahme und wird euch so einiges an Geschick und Geduld abverlangen. Bevor ihr den hart verdienten Abspann über den Bildschirm flimmern seht (wenn überhaupt) vergehen in der Regel einige Stunden. 

Und so kommen wir erneut zum wohl wichtigsten Merkmal des Spiels - dem Schwierigkeitsgrad. Eins ist garantiert. Solltet ihr nicht zur absoluten Zocker-Elite gehören, werdet ihr bestimmt gehörig fluchen und immer wieder mal den Controller gegen die Wand schleudern wollen. Was zu Beginn noch relativ harmlos daher kommt, zieht in den späteren Stages schnell an. Jeder scheint sich gegen Ryu verschworen zu haben. Selbst ansonsten harmlose Vögel greifen euch völlig grundlos aus der Luft an. Hier gilt die Devise "Zähne zusammenbeißen und durchhalten!" Nur Übung macht den Meister!

 

 

 

Technik-Check

Die Level wurden intelligent und detailliert gestaltet. Ob ihr euch nun durch dunkle Wälder, Dörfer mit Wasserfällen oder Eislandschaft kämpft, für Abwechslung ist stets gesorgt. Besonders hervorzuheben sind dabei die mit Text unterlegten Cutscenes, mit denen ihr nach jedem Sieg über einen Boss belohnt werdet. Diese können schon mal mehrere Minuten andauern (!), was für ein 8-Bit-Spiel durchaus ungewöhnlich ist. Bei all der Action sorgen die Sequenzen aber für wohlverdiente Verschnaufpausen. Im Vergleich zur einige Jahre früher erschienen NES-Version sieht Ninja Gaiden auf dem Master System deutlich besser (und bunter) aus.

Auch fürs Ohr bietet Ninja Gaiden einiges an Abwechslung, wobei man schon zugeben muss, dass sich der Soundtrack nicht sonderlich hervorhebt. Sagen wir einfach, die Musik untermalt das actionreiche Geschehen passend. Einige Melodien wiederholen sich aber relativ oft, vor allem in den Zwischensequenzen. Für Master-System-Verhältnisse wird aber durchaus gehobene Kost geboten. 

Fazit: Ich gebe zu, ich habe noch bei keinem Ninja-Gaiden-Spiel den Abspann gesehen. Zu groß waren die Frustmomente, zu oft hat mich einer der Gegner (allen voran diese gottverdammten Vögel!!!) in den Abgrund gestürzt – und wenn ich es dann doch mal bis zum finalen Bossfight geschafft habe, bin ich binnen Sekunden den Pixeltod gestorben. Selten liegen Frust und Lust so nah beieinander, wie bei Ninja Gaiden. Dennoch macht genau das den Reiz des Spiels aus (ähnlich wie bei Dark Souls heute). Kein Leben geht grundlos verloren. Je öfter ihr euch ins Abenteuer stürzt, desto schneller erlernt ihr Strategien, wie so mancher Gegner besiegt werden kann oder welche Spezial-Attacke in bestimmten Situationen angebracht ist. Wer das beherzigt und viel Geduld aufbringt, wird mit Ninja Gaiden wohl die aufregendsten Videospielmomente seiner Zockerkarriere erleben. Wer dagegen lieber schnell und möglichst frustfrei ans Ziel kommen möchte, sollte einen sehr großen Bogen um das Spiel machen. 

 

 

 

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