Solltet ihr zu den Fans des leider darbenden Genres Jump-and-Shoot gehören, werdet ihr auf aktuellen Plattformen leider nur wenig Nachschub finden. Früher sah das aber noch ganz anders aus. Der Mega Drive-Klassiker Gunstar Heroes, den ich euch in diesem Artikel näher bringen möchte, gehört zu den Top-Vertretern des Genres. Bereits 1993 brachte der japanische Spieleentwickler Treasure (auch bekannt für exzellente Shooter wie Radiant Silvergun oder Ikaruga) eines der besten Jump-and-Shoots, für Segas Vorzeige-Konsole auf den Markt.

Wer Klassiker wie Contra III (in Deutschland Super Probotector) oder die Turrican-Reihe kennt und schätzt, weiß ungefähr, was ihn bei Gunstar Heroes erwartet. Die Mischung aus Jump-and-Run und Shooter war Anfang der 90er-Jahre äußerst populär. Die Hintergrundstory fällt, wie für dieses Genre üblich, eher schmal aus: Einem namenlosen Professor wurden wertvolle Edelsteine gestohlen. Der Übeltäter und Hobby-Diktator Colonel Red ist kurz davor, seine bedrohliche Vernichtungsmaschine mit Hilfe genau dieser Diamanten zu aktivieren. Die beiden Helden Blue und Red versuchen aber natürlich genau dies mit aller Macht zu verhindern.

Ein oder zwei Spieler haben zu Beginn erst einmal die Qual der Wahl, zwischen verschiedenen Waffengattungen zu wählen (Maschinengewehr, Raketenwerfer, Lasergun und Flammenwerfer). Habt ihr euch dann noch für einen der vier Spielabschnitte entschieden werdet ihr auch schon direkt in das actiongeladene Spielgeschehen geworfen. Die größtenteils von links nach rechts scrollenden Level (insgesamt 7) bieten Einiges an Abwechslung. Hübsch animierte, zahlreiche Gegner, bunte Hintergründe und tolle Effekte.

 

Von allen Seiten prasseln die Projektile nur so auf euch ein und ihr habt wirklich kaum Zeit, kurz durchzuatmen. Im Eifer des Gefechts lassen sich sogar einige der Wusel-Gengner unfreiwillig als Wurfgeschoss missbrauchen. Ein sehr innovatives Feature, das meines Wissens nach bis heute nicht mehr nachgeahmt wurde.

Wer Gunstar Heroes spielt, muss sich auf gnadenlose Nonstop-Action einstellen. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Endbosse nicht fehlen. Mit der richtigen Taktik (und vor allem der Hilfe eines zweiten Mitspielers) sind diese aber locker bezwingbar. Mit ein bisschen Übung seit ihr nach einer knappen Stunde durch. In dieser Zeit kommt dafür aber garantiert keine Langeweile auf.

Fazit: Besonders angetan haben es mir die für damalige Verhältnisse wirklich beeindruckenden Zwischen- und Endbosse, die euch mit ihren abgefahrenen Vehikeln auf die Pelle rücken. Die Kolosse reizen die technischen Möglichkeiten des Mega Drives gnadenlos aus, was hier und da mit kleinen Rucklern quittiert wird. Dem Spielspass tut dies aber keinen Abbruch. Leider kann die musikalische Untermahlung mit dem ansonsten erstklassigen Spiel meiner Meinung nach nicht ganz mithalten. Zudem klingen die Soundeffekte (typisch für´s Mega Drive) einfach zu metallisch und "knarzig". Der Anime-Stil passt hervorragend und ihr seid dank der exakten Steuerung zu jeder Zeit Herr des Geschehens. Der Klassenprimus Contra III (SNES) kann vor allem wegen des geringen Umfangs zwar nicht vom Thron gestoßen werden. Das durchdachte Level-Design, sowie die ausgereifte Präsentation sprechen aber für sich. Auf Segas 16-Bit-Konsole gibt es meiner Meinung nach keine ebenbürtigen Mitstreiter. Meine Empfehlung lautet deshalb: ZUGREIFEN! Ein kleiner Tipp zum Schluss: Sollte euch dieses Ausnahmespiel gefallen, kann ich euch nur wärmstens den Nachfolger für den Game Boy Advance (Gunstar Future Heroes) oder die kürzlich erschienene Umsetzung des Originals für den 3DS ans Herz legen.