(Konami, 1993)  

Tim Burton brachte in den 90er-Jahren das düstere Gotham City erstmals auf die große Leinwand und sorgte dafür, dass das Fledermaus-Symbol am Nachthimmel endgültig popkulturelle Berühmtheit erlangen sollte. Seit dem kündigt dieses Logo stets einen der beliebtesten Superhelden aller Zeiten an - Batman!

Wer schon ein paar Batman-Videospiele gezockt hat, weiß vielleicht, dass die meisten qualitativ eher durchwachsen sind. Es gibt zwar eine Handvoll Perlen, wie beispielsweise Batman: The Video Game, das seinerzeit durch seine hübsche Grafik und dem fordernden Schwierigkeitsgrad zu begeistern wusste (erschienen für Game Boy und NES). Es gab aber auch zahlreiche Spielspaßgurken mit dem dunklen Ritter in der Hauptrolle, wie beispielsweise das für die PlayStation 1 erschienene Batman & Robin (1998). Aber keine Angst, darum soll es heute nicht gehen.

Viele von euch werden sich bestimmt noch an die Zeichentrickserie Batman: The Animated Series erinnern. Was diese Serie auszeichnete, war einerseits sicherlich die ungewöhnlich düstere Inszenierung. Dazu gesellte sich auch noch ein durchaus intelligent erzählter Plot. Beides war für eine Kinderserie damals nicht unbedingt üblich. Zeitgleich veröffentlichte Konami das spielerische Pendant zur Serie, für den Game Boy, das wir in diesem Test genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Storytelling für Arme

Mit einer komplizierten Vorgeschichte hält sich das Spiel erst gar nicht auf. Ihr schlüpft natürlich in die Rolle von Batman und sorgt in der größtenteils von Gangstern beherrschten Stadt Gotham City für Recht und Ordnung. Ein Superheld hat selbstverständlich auch schräge und äußerst mächtige Gegenspieler, und so müsst ihr euch auf einige der bekanntesten Bösewichte aus dem Batman-Universum gefasst machen. Im Laufe des Spiels stoßt ihr unter anderem auf so illustre Gestalten wie den Joker, Mr. Freeze, Poison Ivy und den Riddler. Zwischen den einzelnen Levels wird in kurzen Sequenzen jeweils der nächste Spielabschnitt und der dazugehörige Oberschurke angekündigt. Schnallt euch also euren Bat-Gurt um und greift zu eurem Bat-Seil. Denn ohne das, werdet ihr in den kommenden Spielabschnitten nicht weit kommen.

 

 

Keine Experimente beim Gameplay

In alter Jump-and-Run-Manier kämpft ihr euch durch fünf verschiedene Levels, die im Spiel selbst als Episoden bezeichnet werden. Ihr hangelt euch an den Wänden entlang, schwingt über gefährliche Abgründe und befördert auf dem Weg zum Level-Ende diverse Gegner ins Nirvana. Dabei geht es nicht immer stur von links nach rechts. Das Erkunden der Umgebung lohnt sich. Ab und an führen auch ein paar Abzweigungen zu hilfreichen Goodies, wie Bat-Wings, die euch im Kampf gegen die Schergen äußerst nützlich sein werden. Mit der Hilfe dieser Wurfgeschosse könnt ihr weiter entfernte Gegner einfach abschießen. Auch wertvolle Herzchen, die eure Energieleiste wieder auffüllen, sollten von euch eingesammelt werden, wenn ihr nicht den frühzeitigen Heldentod sterben wollt. Später im Spiel steuert ihr sogar Batmans alten Kompagnon Robin, der sich zwar flinker spielt, dafür aber weniger Treffer einstecken kann. Allerdings wird es euch verwehrt, während der Episoden zwischen den beiden Charakteren hin und her zu wechseln und so bleiben die Abschnitte mit Robin als Spielfigur überschaubar. Hier wurde einiges Potenzial in Sachen Abwechslung verschenkt.

Kurzer Spaß

Das Wichtigste bei einem ordentlichen Jump-and-Run ist natürlich, dass ihr jederzeit die absolute Kontrolle über euren Helden habt. Batman springt mit dem A-Button, und mit B packt er seinen berühmten Punch aus („Kapow!“, „Crunsh!“). Drückt ihr das Steuerkreuz nach oben und zeitgleich A, kommt das Bat-Seil zum Einsatz, mit dessen Hilfe ihr Richtung Decke klettern könnt. Springt ihr gegen eine Wand und betätigt bei Kontakt sofort wieder den A-Knopf, stoßt ihr euch ab und seid so dazu in der Lage, höher gelegene Passagen zu erreichen. Mit dem Select-Button aktiviert ihr eure Batarangs. Die Steuerung funktioniert äußerst präzise und ist demnach glücklicherweise frustfrei ausgefallen. Bis ihr schussendlich den Abspann von Batman: The Animated Series über den grauen Bildschirm eures GameBoys flimmern seht, vergeht im einfachsten Schwierigkeitsgrad gerade mal eine gute Stunde. Geübte Spieler könnten auch schneller durch sein.

Schwer ist anders

Wo wir gerade beim Thema sind: Gleich nach dem kurzen Intro könnt ihr im Menü den Schwierigkeitsgrad einstellen. Zur Auswahl stehen zwei Stufen - Normal und Hard. Auf „Hard“ werden euch bereits nach einem Treffer zwei Lebenspunkte abgezogen, auf „Normal“ lediglich einer. Auch die maximale Anzahl der Continues kann von euch zwischen null und zwei frei gewählt werden. Benötigt ihr tatsächlich ein Continue, müsst ihr den Level glücklicherweise nicht komplett wiederholen, sondern ihr startet einfach wieder an der Stelle, an dem ihr das Zeitliche gesegnet habt. Aber keine Angst: Auch auf der schwierigsten Spielstufe sollte wenig Frust aufkommen. Lediglich in den späteren Levels machen euch ständig respawnende Gegner das Leben etwas schwerer. Die Bosskämpfe steigern sich ebenfalls im weiteren Spielverlauf, sind mit etwas Übung aber recht schnell erledigt.

Augenschmaus oder Augengraus

Batman: The Animated Series punktet auf dem Game Boy eindeutig mit seiner detailverliebten Optik. Gleich zu Beginn stoßt ihr auf mit Lachgas gefüllte Teddybären, eures Erzfeinds Joker, die bei Kontakt sofort explodieren. Im Hintergrund könnt ihr die Dächer von Gotham City und den sternenübersäten Himmel erkennen, was enorm zur Atmosphäre des Spiels beiträgt. Die Gegnerschar ist zwar ziemlich überschaubar, aber immerhin gut animiert. Jedes Level bereitet euch thematisch auf den kommenden Bossfight vor. So hängen im Mr. Freeze-Stage beispielsweise Eiszapfen von der Decke und die umherlaufenden Schergen verwandeln euch mit ihrer Eiskanone in eine Eisstatue. Trefft ihr dann im weiteren Verlauf auf Catwoman, lauft ihr zuvor an umher schleichenden Katzen vorbei. Nähert ihr euch später Poison Ivy, so trachten euch passenderweise allerhand Pflanzengewächs und umherfliegende Insekten nach dem Leben. Fürs Auge wird für GameBoy-Verhältnisse also wirklich einiges geboten.

 

Das Ohr "isst" immer mit

Durch das Spiel begleitet euch zwar anfangs weitestgehend die immer selbe düstere, schleppende Batman-Melodie, doch die späteren Musikstücke entpuppen sich schnell als abwechslungsreicher. Bei den Bossfights sorgt hektisches „Gedudel“ für die nötige Adrenalinausschüttung. Die Abschnitte, in denen ihr Robin steuert, werden musikalisch zudem mit einem anderen Thema unterstrichen und auch die Zwischensequenzen punkten mit einer individuellen, musikalischen Untermalung. Unter dem Strich wird die düstere Atmosphäre der Serie akustisch gut eingefangen, ohne das euch die Musik irgendwann auf die Nerven geht.

Fazit: Zugegeben, Lizensspiele haben fast durch die Bank (zu Recht) einen ziemlich schlechten Ruf. Erfreulicherweise gehört Batman: The Animated Series meines Erachtens zu den besseren Videospiel-Umsetzungen einer populären Film- bzw. Serien-Vorlage. Das Spiel erreicht zwar nicht ganz die Qualität des bereits erwähnten Erstlingswerks für den Game Boy (von Sunsoft), punktet aber optisch mit seiner Detailverliebtheit und spielerisch mit seiner präzisen Steuerung. Außerdem positiv - Die Atmosphäre der beliebten Zeichentrick-Serie wird gut eingefangen und der auswählbare Schwierigkeitsgrad sorgt für den nötigen Wiederspielwert. Die originalgetreue, musikalische Untermalung bringt zudem die nötige Portion Nostalgie. Batman: The Animated Series steht schlicht und einfach für kurzweilige Unterhaltung und wird euch so manchen Regentag versüßen. Ihr macht also bestimmt nichts falsch, wenn ihr das Spiel immer mal wieder für kurze Zeit in den Modulschacht eures GameBoys wandern lasst. Eine spielerische Offenbarung dürft ihr allerdings nicht erwarten. Ach ja, eins noch: Vergesst auf keinen Fall euer Bat-Anti-Hai-Spray! Man weiß ja nie ;-)

 

 

 

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