Erstmals konnte sich unser Redakteur Yasin anlässlich seines Japan Urlaubs (der natürlich rein zufällig genau mit dem Termin der Tokyo Game Show kollidierte) einen Eindruck von einer Spiele Messe ausserhalb Deutschlands verschaffen. Da allerdings nur ein Tag für diesen Event eingeplant war und leider auch kein Presse-Ausweis aufgetrieben werden konnte (Japaner sprechen einfach besch….. Englisch), mussten die Messehallen diesmal im Schnelldurchlauf erkundet werden. Deshalb werden wir in diesem Bericht also eher auf allgemeine Trends und die gravierendsten Unterschiede zur weltweit grössten Spielemesse Gamescom in Köln eingehen. Alle, die in Zukunft mit einem Besuch der Tokyo Game Show liebäugeln, dürfen gespannt sein. Ein paar Games haben wir aber natürlich trotzdem angespielt. Das versteht sich von selbst. Viel Spass nun bei Yasins ganz persönlichen Messeeindrücken. 

Bevors an Zocken ging, musste ich erstmal ordentlich Geduld aufbringen. Denn zum einen liegt das Makuhara Messegelände ca. ½ Stunde entfernt von Tokyos Stadtzentrum und wer an der riesigen Tokyo Central Station umsteigen muss, wird sich irgendwann die Frage stellen, ob er den Weg zum Messegelände nicht gleich direkt zu Fuss zurücklegen will, denn die Laufwege von der einen, zur nächsten Transportverbindung sind echt gewaltig. Als ich diesen Gewaltmarsch dann aber endlich hinter mich gebracht hatte, musste ich feststellen, dass es im September in Tokyo noch sehr, sehr warm werden kann. 30 bis 35 Grad sind durchaus normal. Einen erfrischenden Platzregen und ca. 1 ½ Stunden Anstehen in der Warteschlange (die einmal um das komplette Gelände reichte) später, hatte ich es dann endlich geschafft. 

Sobald man als Besucher die erste Messehalle betritt, trifft man zunächst nicht sofort auf die Messestände der Publisher, sondern auf die zahlreichen Merchandising Verkaufsstände der Hersteller. Hier kann man sich dann (etwas Geduld vorausgesetzt) mit allem möglichem Schnickschnack eindecken. Wobei man nun wirklich nicht erwarten darf, dass man hier besonders günstige Schnäppchen zu Messepreisen erwerben kann. Oh nein, die Sachen sind sogar relativ teuer. Das trifft übrigens auch auf die Verpflegung an den Fressständen auf dem Messegelände zu. Im Allgemeinen wird hier, wie bei uns auch, sehr viel Fastfood angeboten (natürlich gibt es hier mehr Reis- und Nudelgerichte, anstatt Bratwurst und Pommes) und das Ganze zu gesalzenen Preisen. Aber wer Geld sparen will, muss halt zu Hause bleiben…

 

 

 

 

Eigentlich hatte ich mir die Tokyo Game Show etwas größer vorgestellt. Gerade bei den spieleverrückten Japanern und in einer Mega City wie Tokyo, sollten die Dimensionen der Messe doch zumindest in etwa denen der Gamescom in Köln entsprechen. Aber da hatte ich mich getäuscht. Die TGS umfasst lediglich drei mittelgrosse Hallen. Hier tummelt sich dann aber die geballte, japanische Spiele Prominenz wie Sony, Konami, Capcom, Sega oder Square Enix. Als Retrogamer fand ich es zudem sehr schade, dass die Neo Geo Erfinder von SNK Playmore genau so wenig vertreten waren, wie der Branchenführer Nintendo. Big N veranstaltet in Japan ja schon fast traditionell eine eigene Hausmesse und verzichtet dafür auf einen Messestand bei der TGS. Von Nintendos neuer Konsole Wii U war deshalb (wie bereits in Köln) weit und breit nichts zu sehen.

Was mir aufgefallen ist (mich aber nicht weiter verwunderte) war die starke Präsenz der Smarthphone Softwarehersteller, wie beispielsweise Gree. Der Smartphone-Boom ist in Japan augenscheinlich noch stärker ausgeprägt, als bei uns. Ohne iPhone und Co geht im Alltagsleben der Japaner gar nichts mehr (das kann man vor allem in der U-Bahn beobachten) und natürlich wird auf diesen Dingern auch so lange gedaddelt, bis die Finger (und vermutlich auch die Kreditkarten) qualmen. Sony und Nintendo versuchen diesem Trend mit Ihren Handhelds zwar mit aller Macht dagegen zu halten, aber irgendwie habe ich so langsam das Gefühl, dass Smartphones als Plattform für mobile Spiele die Zukunft gehören wird. Die PS Vita und der 3DS sind zwar exzellente Spielgeräte, aber wie viele Gamer werden in Zukunft noch dazu bereit sein, für ein schnelles Spiel zwischendurch 30 bis 40 Euro auszugeben? Nintendo hat dies ja bekanntermassen schon zu spüren bekommen und musste den Verkaufspreis des 3DS weltweit drastisch senken. Ich bin mal sehr gespannt, ob es Sony mit der PS Vita gelingen wird, das Steuer herumzureissen. Potenzial hat die Konsole alle mal. Über 30 Titel konnte man auf der Tokyo Game Show für Sonys Hoffnungsträger selbst ausprobieren. Grossteils wurden diese Titel aber bereits auf der Gamescom vorgestellt. In Japan wir die Konsole übrigens rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im Handel sein. Verkaufsstart ist der 17. November. Kleine Nerd Info am Rande: Die Spiele Hüllen der PS Vita Games sehen (zumindest in Japan) aus, wie kleine Blue Ray Hüllen.

Wer übrigens auf Cosplay steht, kommt auf der TGS voll auf seine Kosten. Zwischen den Messehallen tummeln sich dutzende der teilweise sehr aufwändig gestylten Teilnehmer der Cosplay Szene. Hier geht jedem Otaku das Herz auf! Die grösste Aufmerksamkeit bekommen hier erwartungsgemäss die etwas freizügiger gekleideten Damen (siehe Foto). Spätestens hier ist es dann auch mit der japanischen Höflichkeit und Zurückhaltung nicht mehr allzu weit her. Sobald sich eine fesche Cosplayerin in Pose wirft, wird gedrängelt und geschubst, bis der Arzt kommt.  

Jetzt will ich aber zu den bereits angesprochenen Spiele Highlights der Messe kommen. Den Anfang mach Asura´s Wrath von Capcom, das sich spielerisch offensichtlich an der God of War Serie orientiert. Positiv überrascht haben mich die spektakulär inszenierten Zwischensequenzen, die wohl ganz nach japanischem Geschmack sein dürften. Ich hatte dann die Gelegenheit, die erste Mission anzuspielen und weil ich als ausländische Gamer wohl so eine weite Anreise hatte, wurden mir anstatt der üblichen 7, mehr als 10 Minuten zum Antesten des Titels gewährt. Spass hat es auf jeden Fall gemacht und die freundlichen Messe Hostessen mussten mich fast schon gewaltsam von meinem mühsam ergatterten Controller entfernen. Natürlich nur ein kurzer Eindruck, aber dieses Action Spektakel sieht nach einem echten Pflichtkauf aus (PlayStation 3 und Xbox 360). 

Als nächstes war Street Fighter X Tekken an der Reihe. Wie bereits auf der Gamescom begutachtet, wird bei dieser Crossover Klopperei wohl nichts mehr anbrennen. Einziges Manko könnte natürlich sein, dass das Spiel im typischen Street Fighter 4 Grafikstil und mit der dazugehörigen Spielmechanik daher kommt, was einigen Tekken Fans wohl weniger zusagen dürfte. Gerüchten nach zu urteilen, plant Tekken Erfinder Namco aber bereits die Veröffentlichung der umgekehrte Variante dieses Treffen der Prügel Giganten. Welchem Spiel ihr den Vorzug geben wollt, bleibt euch dann überlassen.

Ausserdem habe ich es mir nicht nehmen lassen, noch zwei kurze Runden Soul Calibur 5 zu zocken. Da ich mich seit der grandiosen Dreamcast Version wohl als absoluten Fan Boy bezeichnen darf und jedes bisher erschienene Soul Calibur Game in meinem Spieleregal stehen habe, seht ihr mir es aber hoffentlich nach, dass mein Urteil zur neuesten Episode dieser Prügel Serie nicht allzu objektiv ausfällt. Wer etwas mit der eher actionbetonten Spielmechanik von Soul Calibur anfangen kann, wird auch beim neuesten Teil auf seine Kosten kommen. Das Spiel bietet die gewohnte Qualität und wartet mit einigen neuen Kämpfern auf. 

Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass auf der TGS ein neuer Trailer zum 3DS Spiel Resident Evil Revelations als besonderes Schmankerl präsentiert wurde. Sogar auf der ca. 10 x 15 Meter großen Leinwand machte der Trailer den Eindruck, als hätte man es mit einem ausgewachsenen Spiel für die PS3 oder die Xbox 360 zu tun hat. Grafisch sicherlich ein absolutes Highlight für Nintendos tragbare Konsole. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie das fertige Spiel aussehen wird. 

Fazit: Alles in Allem hat mir die TGS gut gefallen, auch wenn ich bei meinem kurzen Rundgang keine Neuankündigungen erspähen konnte (ausser ein paar obskuren Anime / Erotic Spielen, die wohl nie die Grenzen Japans überschreiten werden). Wenig prickelnd fand ich die ewig lange Warterei am Messe Eingang (und warum öffnet die Messe bitte erst um 10:00 Uhr, wenn um 17:00 schon wieder Schluss ist?) und die eher geringe Anzahl an Ausstellern. Hier bietet die Gamescom in Köln wirklich in allen Belangen mehr fürs Geld. Wesentlich besser haben mir da schon die wirklich aufwändig gestalteten Kostüme der Cosplayer und vor allem die Merchandising-Stände der Publisher gefallen, an denen ich mich wirklich zu Tode kaufen könnte. Natürlich musste ich mich hier mit jeder Menge T-Shirts eindecken, die es bei uns sicherlich nicht zu kaufen geben wird. Wenn Ihr also mal die Gelegenheit haben solltet, während der TGS in Tokyo zu sein, kann ich euch einen Besuch der Messe ruhigen Gewissens empfehlen. Für Gamer, mit einem Hang für japanische Spielkonzepte, lohnt es sich auf jeden Fall.