gamescom 2017

Europas größte Messe für Computer- und Videospiele hat gerufen und natürlich konnten wir dem Ruf nach Köln nicht widerstehen. Wie die Jahre zuvor, hatten wir dank vorheriger Akkreditierung bereits am Fachbesuchertag die Möglichkeit, die Messehallen zu stürmen, was die Wartezeiten an den Ständen auf ein erträgliches Maß reduzierte. Mehr als 30 Minuten mussten wir selten anstehen, um einen ersten Blick auf die kommenden Spiele-Highlights zu werfen. Zusammen mit einer Hand voll Termine bei einigen Publishern konnten wir unseren GC-Tag optimal nutzen. 

Das Thema VR, das letztes Jahr noch massiv gehypt wurde, ebbte dieses Jahr erwartungsgemäß etwas ab. Die großen Publisher gingen lieber auf Nummer Sicher und konzentrierten sich mal wieder auf Neuauflagen ihrer erfolgreichen Serien. Experimente durften somit, wenn überhaupt, nur aus der Indie-Ecke erwartet werden (z.B. Double Kick Heroes von Headbang Club). So präsentierte Konami das obligatorische Update der hauseigenen Fußball-Simulation Pro Evolution Soccer. Bei PES 2018 legen die Japaner den Fokus auf den Multiplayer-Aspekt (bis zu drei Mitspieler pro Team sind möglich). Auch an der Mimik und den Animationen der Spieler wurde ordentlich geschraubt. Interessant klingen auch die herunterladbaren "Legendary Player", wie Diego Maradona oder David Beckham. Auch deutsche Legenden sind mit an Bord, so dürfen sich BVB-Fans beispielsweise auf Karl-Heinz Riedle freuen.

EA wartete dieses Jahr mit Neufassungen von Star Wars Battlefront, Need for Speed und FIFA auf. Besonders gefallen hat uns hierbei der zweite Teil der Star Wars Battlefront-Reihe. In der anspielbaren Weltraum-Mission musste man sich zuerst entscheiden, ob man in ein Raumschiff der Rebellen oder doch lieber des Imperiums steigt. Nach der Wahl des Fluggeräts ging es dann direkt zur Multyplayer-Weltraumschlacht. Ein besonderes Highlight war Han Solos Millennium Falke oder Darth Mauls Scimitar, die ab einer gewissen Anzahl Punkte gesteuert werden dürfen.

Am Sony-Stand überzeugte uns vor allem Uncharted: The Lost Legancy, das bereits für die PS4 erhältlich ist. Erstmalig ohne Nathan Drake, dafür aber mit dem schlagkräftigen Duo Chloe und Nadine. Wie nicht anders zu erwarten war, liefert Naughty Dog hier wieder äußerst solide Arbeit ab. Sowohl grafisch als auch spielerisch. Wem 40 Euro für ein quasi Add-On mit 8-10 Spielstunden nicht zu viel sind, kann bedenkenlos zugreifen. Auch das lang erwartete Action-Adventure Detroit: Become Human durfte angespielt werden und sah ganz hervorragend aus. Laut Angaben der Entwickler von Quantic Dream soll das cineastische Abenteuer nächstes Jahr endlich erscheinen.  

Am Stand von Nintendo waren wir vor allem auf das neue Mario Odyssey gespannt. Besonders ansprechend war hier der fliegende Wechsel zwischen 3D- und 2D-Sequenzen. Hier fühlt man sich sofort in alte NES-Zeiten zurück versetzt. Weniger überzeugen konnte uns die automatische Kameraführung, bei der sehr oft manuell nachjustiert werden musste. Hoffentlich wird dieses Manko bis zur Veröffentlichung in diesem Winter noch überarbeitet. Auch die Steuerung via Joy-Cons geht noch etwas hakelig von der Hand. Hier raten wir dringend zum optionalen Pro Controller.

Ziemlich enttäuscht waren wir von der Tatsache, dass es auf der Messe (außer in der Business Area, mit vorheriger Terminabsprache) keine Möglichkeit gab, Wolfenstein II: The New Colossus anzuspielen. Aufgrund der positiven Berichterstattung im Vorfeld der Messe hatten wir uns sehr auf den Titel gefreut. Naja, immerhin fällt die Wartezeit kurz aus, denn der fiktive Weltkriegs-Shooter soll bereits am 27. Oktober erscheinen.  

Als Retro Gamer ist es uns aber natürlich immer wieder eine ganz besondere Freude, "alte Helden" auf der Gamescom zu treffen. So durften wir dieses Jahr Entwicklerlegende Jon “Jops“ Hare (Sensible Soccer, Cannon Fodder, Mega Lo Mania) ein wenig über seinen inoffiziellen Sensible-Soccer-Nachfolger Sociable Soccer ausquetschen. Damit aber nicht genug, wir konnten auch eine Partie gegen den Meister selbst spielen (Anmerkung des Redakteurs: Ich bin übrigens sehr stolz darauf, ein sehr respektables 0:0 gegen Jon verteidigt zu haben). Das arcadelastige Fußballspiel lief noch nicht ganz fehlerfrei, macht aber durchaus Laune. Im Vergleich zum ebenfalls erschienenen Remake von Kick Off (PS4) wird Sociable Soccer alte Fans der Serie sicherlich nicht enttäuschen. Der Titel soll in Kürze auf Steam erscheinen (für den PC).


Atari is back! Und zwar unter anderem als Publisher für Tempest 4000, das wir auf einer separaten Veranstaltung außerhalb der Messehallen anspielen durften. Der verantwortliche Entwickler ist übrigens Jeff Minter (Attack of the Mutant Camels, Gridrunner, Tempest 2000), also ebenfalls ein Urgestein unter den Spielemachern. Bei dem futuristischen Shooter handelt es sich um ein Remake zu Tempest 2000, welches seinerzeit für Ataris gefloppte Konsole Jaguar erschien. Wie auch beim Vorgänger steuert ihr euer Raumschiff entlang des Randes einer geometrischen Röhre. Ihr feuert aus allen Rohren und versucht so, die Gegnerwellen möglichst effektiv zu erledigen. Das zeitlose Spielprinzip funktioniert nach wie vor und die Grafik erstrahlt im modernen 4K-Gewand. Tempest 4000 erscheint noch dieses Jahr via Steam für den PC.

Wie in den Jahren zuvor gab es auf der Gamescom auch wieder eine Halle, die sich fast ausschließlich dem Thema Retrogaming widmete. Egal für welche klassische Konsole oder für welchen Heimcomputer euer Pixelherz schlägt, hier durften die Geräte live bestaunt und meistens auch darauf gezockt werden. Angefangen bei Klassikern für SNES oder Mega Drive, bis zum neuen Saber Rider-Spiel für Segas Dreamcast, gab es nahezu für jeden etwas zu sehen. Wer wollte, konnte sogar Sound-Guru Chris Hülsbeck beim Komponieren neuer Tracks über die Schulter kucken. Für Fans alter Games lohnt sich der Besuch der Gamescom allein schon wegen dieser Halle. Hier hätten wir locker noch die eine oder andere Stunde verbringen können.

Fazit: Unter dem Strich blieb uns mal wieder zu wenig Zeit, um wirklich alle kommenden Highlights anzuspielen, die uns interessiert hätten, und natürlich war es auch dieses Jahr schade, dass keine große Neuankündigung auf der Gamescom vorgestellt wurde. Die E³ in Los Angeles hat in dieser Hinsicht einfach die Nase vorn. Beispielsweise hätten wir uns sehr über einen Ankündigungstrailer zu Borderlands 3 gefreut. Aber sei’s drum. Spaß gemacht hat uns der Messe-Trubel trotzdem und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir nächstes Jahr nicht wieder am Start wären. (YT / MS)
 

 

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