gamescom 2012

Seit sage und schreibe zehn Jahren fahren wir nun in wechselnder Besetzung zur größten Spielemesse Europas. Eine langer Zeitraum, und quasi eine Ewigkeit in Hinblick auf die Entwicklung der Spiele-Branche, die in dieser Zeit stattgefunden hat. Anfangs fand die Veranstaltung noch im beschaulichen Leipzig statt (damals unter dem Namen Games Convention). Seit drei Jahren nun in der Rheinmetropole Köln. Angesichts der überraschenden Absagen der Branchenriesen Nintendo und Microsoft waren unsere Erwartungen an die diesjährige Gamescom allerdings ein wenig gedämpft, aber natürlich gab es trotzdem einige Highlights, mit denen wir zu Beginn nicht gerechnet hatten. Jetzt ist aber Schluss mit dem Gelaber. Es wird Zeit für unsere ganz persönlichen Eindrücke der GC 2012:

In der Spiele-Branche nichts Neues?

Traditionell finden bereits einen Tag vor der Gamescom die Pressekonferenzen der Branchenriesen Microsoft, EA und Sony statt. Ausgewählte Medien-Vertreter (unter anderem auch wir) bekommen hier schon vor der eigentlichen Messe die Top-Titel zu sehen, die in den nächsten Monaten in den Verkaufsregalen landen werden. Da Microsoft, wie bereits erwähnt, der diesjährigen Messe fern blieb, wurde dieser freie Slot vom japanischen Entwickler / Publisher Capcom dankend übernommen.

Electronic Arts

Natürlich waren wir sehr gespannt, auf welche Games wir uns in den nächsten Monaten freuen dürfen. Unter den präsentierten Titeln gab es allerdings nur wenige Spiele, die uns wirklich überrascht haben. EA stellte erwartungsgemäß eine Vielzahl an Fortsetzungen zu bekannten Spielereihen wir FIFA oder Need for Speed vor. Natürlich sehen diese Sequels wieder atemberaubend aus, aber echte Innovationen kann man hier mit der Lupe suchen. Interessanter waren da schon Dead Space 3 (ein krachendes Sequel der grusligen Weltraum-Metzelei) und Crysis 3. Vor allem der zuletzt genannte Shooter, des Frankfurter Entwicklers Crytek, weiß zu gefallen. Den ersten Eindrücken des Spiels nach zu urteilen, dürfen PC-Spieler jetzt schon mal für die Anschaffung einer neuen Grafikkarte sparen. Am actionbetonten Spielprinzip ändert sich aber natürlich nichts. Zu guter Letzt gab es dann noch neue Bilder der für 2013 angekündigten Neuauflage der Städtebau-Simulation SimCity (PC) zu sehen.

Sony

Im Gegensatz zu EA stellte Sony tatsächlich ein paar Neuentwicklungen vor. Darunter ein ambitioniertes Hüpfspiel namens Tearaway für die PlayStation Vita. Das kunterbunte Jump-and-Run macht starken Gebrauch von den Features der mobilen Konsole. Besonders das Touch-Pad auf der Rückseite des Handhelds und der Neigungs-Sensor werden hierbei stark in das Spielgeschehen eingebunden. Die neuen Möglichkeiten, Hindernisse zu überwinden, verlangen dem Spieler einiges an kreativem Denken ab. Wirklich klasse! Sehr beeindruckend sieht auch das ebenfalls für nächstes Jahr angekündigte Action-Adventure The Last of Us aus (für die PS3). Es ist ein ungleiches Team, das die Spieleschmiede Naughty Dog (Uncharted) hier in den gnadenlosen Überlebenskampf schickt. Ellie und Joel – ein zierliches Mädchen und ein desillusionierter, kerniger Kerl, der offensichtlich für die groben Angelegenheiten zuständig ist. Das postapokalyptische Szenario sieht fantastisch aus und der realistische Look des Spiels hebt sich angenehm von aktuellen Action-Titeln ab. Besitzer einer PlayStation 3 dürfen sich hier auf ein absolutes Highlight freuen.

 

 

The Best of the Rest

Auf der eigentlichen Messe gabs dann natürlich noch sehr viel mehr zu sehen. Wie bereits angesprochen, dominierten hier aber vor allem die Fortsetzungen bekannter Spielereihen. Egal ob das neue Medal of Honor Warfighter (EA), Call of Duty - Black Ops 2 (Activision) oder Assassins Creed 3 (Ubisoft). Natürlich wenig innovativ, aber dafür enorm heiss erwartet von den zahlreichen Fans der Serien. Enorm waren in diesem Zusammenhang auch die Schlangen vor den Anspiel-Stationen. Messe-Besucher durften sich hier in der Regel auf eine Wartezeit von 2 Stunden und mehr einstellen. Wer sich diese Strapaze aber dennoch angetan hat, bekam zumindest eine exklusiven Trailer zu sehen und durfte anschließend ein paar Minuten selbst Hand an diese Sequels legen. Uns hat die Geduld für diese Warterei aber größtenteils gefehlt. Seid uns deshalb bitte nicht böse, wenn wir auf die spärlichen Neuerungen dieser Titel nicht im Detail eingehen. 

Einen Tick interessanter, aber ebenso abwechslungsarm, waren die neu angekündigten Fortsetzungen der japanischen Entwickler. Am Stand von Capcom durften beispielsweise die aktuellen Teile von Resident Evil (Episode 6), Devil May Cry (Xbox 360 und PS3) und Lost Planet (Teil 3) angespielt werden. Technisch machen diese Titel erwartungsgemäß einen hervorragenden Eindruck, aber mit nennenswerten Änderungen am Grundkonzept sollte man auch hier nicht rechnen. Zumindest bei Resident Evil 6 sind wir aber zuversichtlich, dass Capcom aus den Fehlern des direkten Vorgängers gelernt hat (überladene Steuerung, serienuntypisches Setting) und wieder zu den Stärken der Serie zurückgefunden hat. Alle Resident-Evil-Fans merken sich schon mal den 2. Oktober vor. An diesem Tag soll das Spiel bei uns erscheinen.

Konami zeigte eine neue, spielbare Version der Metal-Gear-Reihe (Metal Gear Rising). Der bereits aus den Vorgängern bekannte Cyborg-Ninja Raiden schnetzelt sich hier fröhlich durch die Gegnerhorden. Das hat natürlich nicht mehr viel mit dem "schleichlastigen" Gameplay der vorherigen Teile gemein, bringt aber zumindest frischen Wind in die Serie. Ach ja, natürlich durfte auch das kommende Update der Fußball-Simulation Pro Evolution Soccer angespielt werden. Fans des Rasensports müssen sich im nächsten Jahr also erneut zwischen FIFA 2013 (EA) und PES 2013 (Konami) entscheiden. Hier zählen wie immer die jeweiligen Vorlieben.

Erfreulicherweise wurden dieses Jahr auch Händler für die Messe zugelassen und somit durften die Zocker endlich auch auf der Gamescom nach Herzenslust shoppen. Zwar konnte man hier keine Spiele kaufen, aber dafür gab es jede Menge Merchandise-Artikel rund um das Thema Computer- und Videospiele. T-Shirts, Actionfiguren, Bücher, und vieles, vieles mehr. Wir mussten uns schon stark zurückhalten, um nicht in einen regelrechten Kaufrausch zu verfallen. Davon wünschen wir uns in den nächsten Jahren mehr.

Fazit: Natürlich gäbe es noch viele Spiele, die erwähnt werden müssten, allerdings fehlte uns dieses Jahr leider die Zeit (und teilweise die Muße) um die extrem langen Wartezeiten vor den Messe-Ständen über uns ergehen zu lassen. Vielleicht waren wir es auch ein wenig leid, für die zigste Fortsetzung einer bekannten Spieleserie eine Stunde oder länger anzustehen. Bereits am Donnerstag war in den Messe-Hallen soviel los, dass ewige Wartezeiten vor den Anspiel-Stationen einfach unvermeidlich waren. Enttäuschend fanden wir auch, dass Microsoft und vor allem Nintendo komplett auf einen Auftritt, auf Europas größter Spielemesse verzichteten. Besonders unverständlich ist für uns die Absage von Nintendo. Schließlich veröffentlicht Big-N noch Ende dieses Jahres eine neue Konsole (Wii U). Über die genauen Gründe des Fernbleibens darf also trefflich spekuliert werden. Waren die Stand-Preise der Veranstalter zu hoch, oder schätzt Nintendo die Relevanz der Messe als zu gering ein? Wir werden es wohl nie erfahren. Wer dieses Jahr erstmals Hand an die Wii U legen wollte, musste sich an den weiträumigen Stand von Ubisoft begeben (u.a. ZombiU, Rayman Legends). Der Besucherandrang auf der diesjährigen Gamescom war auf jeden Fall ungebrochen und es wäre doch sehr schade, wenn der Standort Köln bzw. Deutschland an Wichtigkeit verlieren würde. Wir sind gespannt, wie es hier weiter geht. Bewegte Bilder der Messe seht ihr wie immer in unserem kurzen Messe-Video. Wir wünschen euch viel Spaß dabei.